Berater

Jeder Fall von Stalking ist einzigartig und erfordert eine individuelle Betrachtung und Beratung. Die nachfolgenden Hinweise für die Beratung bedürfen einer auf den Einzelfall bezogenen Überprüfung.

Evaluation des Falls

Im geschützten Rahmen einer Beratung finden Betroffene oft erstmals die Gelegenheit, ihre Geschichte in allen Einzelheiten zu schildern, ohne dabei auf Unverständnis zu stoßen oder gar Schuldzuweisungen zu erfahren. Im Blick auf eine Gefahrenprognose ist es hilfreich, wenn die Ereignisse chronologisch berichtet werden. Handelt es sich um einen ehemaligen Partner beziehungsweise eine ehemalige Partnerin sollten auch die Beschreibung der früheren Beziehung, der darin aufgetretenen Probleme und Erfahrungen sowie der Verlauf der Trennung geschildert werden. Auf dieser Basis machen sich der Berater oder die Beraterin ein Bild über die Beziehung und die Person des Stalkers (siehe Checkliste).

Befinden sich die Betroffenen noch in den ersten Trennungswochen und besteht wegen gemeinsamer Kinder oder Güter noch ein berechtigtes Interesse einer Seite nach Kontakt, so raten wir zur Vorsicht: In solch frühen Stadien muss es sich nicht zwingend um Stalking handeln. Dauert die Belästigung bereits mehrere Wochen an, so ist genau zu erfragen, auf welche Art das Stalking geschieht und was die Betroffenen bisher dagegen unternommen haben. Dadurch wird durch den Berater oder die Beraterin ersichtlich, welche Interventionsschritte erfolgreich waren, was für die betroffene Person umsetzbar ist und welche Maßnahmen eher zu einer Eskalation geführt haben.

Viele Betroffene erleben durch ihr Umfeld, dass ihnen nicht geglaubt oder die Erfahrungen bagatellisiert werden. Stalking muss in der Beratung als eine Form von Gewalt benannt werden, an der die Betroffenen keine Schuld tragen. Ihre Suche nach Unterstützung ist berechtigt.