Beratungspraxis

Hinweise für sie psychologische Beratung

Da es weder einen absoluten Schutz noch allgemeingültige Verhaltensregeln gegen Stalking gibt, ist ein Ziel der Beratung, Opfer in der Zeit der Belästigung zu unterstützen. Im günstigsten Fall verliert der Täter oder die Täterin das Interesse am Opfer. Die Stabilisierung der Betroffenen ermöglicht es, das Vertrauen in die eigenen Ressourcen zurück zu gewinnen und in dieser Situation handlungsfähig zu bleiben. Außerdem ist die Teilnahme an stärkenden Angeboten, wie zum Beispiel einem Selbstbehauptungskurs empfehlenswert.

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Viele Betroffene (meist Frauen) fühlen sich schuldig für das Geschehen. Darauf ist in der Beratung einzugehen. Im Gespräch muss auf eine wertfreie Akzeptanz der oft ambivalenten Gefühle gegenüber dem Stalker geachtet werden. Gerade wenn zuvor eine längere Partnerschaft bestand oder gemeinsame Kinder existieren, sind ambivalente Gefühle besonders stark.

Die Betroffenen schwanken oftmals zwischen zwei extremen Reaktionen: Dem Bedürfnis endlich Ruhe vor dem Terror zu haben und der Wut gegenüber dem Stalker, der mit seinen Belästigungen massiv in das eigene Leben eingreift.

Dem Bedürfnis nach Ruhe kann die Beratung nachkommen durch praktische Hinweise: Urlaub, Kur, vorübergehender Umzug in eine Wohngemeinschaft oder zu den Eltern, Freunden und Freundinnen, Teilnahme an Yoga oder autogenem Training. Große Wut ist häufig ein guter Indikator dafür, dass die Betroffenen ausreichend Kraft haben, um zivil- und strafrechtliche Möglichkeiten auszuschöpfen.

Aus Opfersicht hat es sich als hilfreich und entlastend erwiesen, das befürchtete Gefährdungspotential gemeinsam zu analysieren (entspr. Kompetenzen vorausgesetzt). Oft wird dem Opfer dadurch deutlich, dass nach derzeitigen kriminologischen und psychologischen Erkenntnissen eine Eskalation bzw. Lebensbedrohung nicht wahrscheinlich ist. Dies kann unbegründete Ängste soweit abbauen helfen, um Handlungsfähigkeit und eine erste Entlastung zu erreichen. Für ein Opfer kann zudem der Täter dadurch berechenbarer werden.

Die Beratung von Stalking-Opfern erfordert eine interdisziplinäre Zusammenarbeit aller involvierter Institutionen, zum Beispiel Polizei, Gericht, Anwaltskanzleien, Sozialpsychiatrischer Dienst, Opferberatungsstelle.

 

Quelle. u.a.Materialien zur Gleichstellungspolitik - Stalking-Handreichung für die Beratung, BMFSFJ Nr. 104/2005